Ich denke seit Wochen immer wieder über eine Bemerkung von Jutta Reichelt nach. Auf die Frage, warum sie schreibt, sagte sie: Weil ich gerne alleine am Schreibtisch sitze. Ich war ziemlich verblüfft, welche Wirkung dieser Satz auf mich hatte. Ja, genau, das ist es.

Weil ich gerne alleine am Schreibtisch sitze.

Jetzt zum Beispiel gerade. Es ist 10 Uhr an einem müden Sonntagmorgen, ich habe zu wenig geschlafen, bin aber merkwürdig wach. Draußen verzieht sich der Nebel über den Dächern und aus den kleinen, roten Schloten steigt Rauch auf. Mein Schreibtisch ist übersichtlich chaotisch; ich fühle mich still und friedvoll.

Tatsächlich ist dieses Alleine-am-Schreibtisch-sitzen nicht jedermanns Sache. Viele meiner Freunde haben mit Beginn des Berufslebens ihren Schreibtisch abgeschafft, schließlich gibt es den ja im Büro. Und die paar Nachrichten und Mails, die man so schreibt, kann man auch auf dem Sofa mit Laptop oder Tablet tippen.

Ich hab am Ende meines Studiums auch kurz darüber nachgedacht, meinen Schreibtisch auszusortieren – und dann kam er aber doch bei jedem Umzug wieder mit. Gott sei Dank!

Ich glaube, für uns Kreativmenschen ist der Schreibtisch ein notwendiger Ort. Nicht nur, weil es sich da schlicht und einfach bequemer schreibt als im Bett, am Küchentisch oder auf dem Sofa. Sondern auch, weil wir ganz natürlich einen Ort brauchen, an dem wir gut aufgehoben sind.

Mir fallen drei Dinge ein, die für mich das Alleine-am-Schreibtisch-sitzen so wichtig machen:

Ich liebe die Stille, die mich an meinem Schreibtisch umgibt.

Keiner stört mich und ich kann abtauchen in das, was mich beschäftigt, umtreibt und interessiert. Manchmal kann sogar laute Musik diese Stille nicht stören, im Gegenteil. Gerade beim Schreiben läuft bei mir öfters mal ein Lied in Dauerschleife – ich höre aber nicht wirklich zu, sondern lasse mich vom Rhythmus forttragen… in mein Gedankenreich, wo nur ich an der Wasserkante wandle.

Ich liebe das vielfältige Tun des Alleine-am-Schreibtisch-Sitzens.

Ich kann im Netz surfen und mich von Gedanke zu Gedanke treiben lassen. Ich kann Listen und Pläne machen. Ich kann das zur Hand nehmen, was mich umgibt: Bücher, die mir etwas bedeuten, Aufzeichnungen aus vergangenen Zeiten, Notizbücher, Stifte, Bastelkram. Ich gestalte, treibe voran, vergesse, berühre, lasse mich berühren.

Ich liebe die königliche Hoheit, die ich an meinem Schreibtisch habe.

Mein Reich, mein Chaos, meine Ordnung. Ich fühle mich wohl und sicher in meiner kleinen Burg, die ich gestalten kann, wie es mir beliebt. Niemand hat Zugriff auf das, was ich hier tue, kein Chef dieser Welt interessiert sich für meine Ergebnisse –  nur ich entscheide, welche Texte andere zu lesen bekommen und welche mein Geheimnis bleiben.

Das einzige, was ich nicht mag, am Alleine-am-Schreibtisch-sitzen: Ich bekomme kalte Füße. Weder warme Socken noch Hausschuhe können mich davor bewahren. Mist!

Wie geht es dir, sitzt du gerne alleine am Schreibtisch? Und wenn ja, wie fühlt sich das bei dir an? Ich freue mich über Nachrichten und Kommentare! Und über Tipps gegen kalte Füße ????

Foto: cc simpleinsomia flickr.com

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