Was ist Erfolg beim Schreiben – für dich?

Ich muss mal eine Frage in die Runde stellen. Was ist für euch Erfolg? Und zwar Erfolg beim Schreiben? Was wollt ihr erreichen mit euren Texten, mit dem, was ihr schreibt?

Ich stelle diese Frage, weil ich immer wieder darüber nachdenke, was ich mit dem Schreiben will. Und mir kommen automatisch diese Dinge in den Sinn:

Bei einem Literaturwettbewerb gewinnen. Nicht bei einem der kleinen, regionalen Wettbewerbe, sondern einem mit richtig viel Strahlkraft. Wo bei der Preisverleihung Literaturagenten mir ihr Kärtchen zustecken.

Ein Blog schreiben, das richtig viele Leser hat. Also nicht so zehn, zwölf am Tag. Sondern zehntausend. So dass das ZEIT Magazin mich anruft und fragt, ob ich was für sie schreiben will.

Ein Buch veröffentlichen. Eines mit einer richtig guten Geschichte, einem extrem geilen Cover und meinem Namen darauf. Eines, das richtig durch die Decke geht und auf allen Kanälen gefeiert wird.

All das sind schöne Phantasien. All das begeistert mich. Ein Stück weit. Denn genauso schnell wie mich die Lust auf Fame überfällt, kommt mir der Zweifel. Ist das alles wirklich erstrebenswert?

Und viel wichtiger: Wie es es umgekehrt? Was ist denn, wenn ich all das NICHT habe? Kein geiles Buch, kein geiles Blog, keinen Preis? Bin ich dann gescheitert? Erfolglos? (mehr …)

Fuck counting words, go creative!

Sagt mal, geht euch das eigentlich auch auf den Sack?

Diese Blogposts, in denen Leute jammern, dass sie ihr Schreibpensum nicht eingehalten haben. Dass sie eigentlich 5.000 Zeichen mindestens schreiben wollten, es aber (böse böse!) einfach nicht geschafft haben. Dass sie dringend an ihrer Disziplin arbeiten wollen – nein: müssen!

Schreiben scheint etwas Mühsames zu sein. Und zwar nicht nur für diejenigen, die tatsächlich veröffentlichen und ausschließlich vom Schreiben leben, sondern bereits auch für diejenigen, die da mal hin wollen. Menschen, die eigentlich keinerlei Druck unterliegen sollten – diesen aber offenbar dennoch verspüren.

Manchmal beschleicht mich das Gefühl, dass da etwas gründlich schief läuft. Es scheint so etwas wie einen neuen Typ „Autor“ zu geben. Und der ist effizient. Und durchorganisiert. Und genau deshalb so erfolgreich. (mehr …)

Eine Ode ans Schreiben… und an einen besonderen Vater

Was für ein besonderes Buch – was für ein besonderes Leseerlebnis! Hat es jemand von euch schon in Händen gehalten? Ich glaube, ich habe selten beim Lesen so ein Gefühl gehabt… andächtig trifft es vielleicht am besten. Es war mir ein tiefstes, inneres Vergnügen, Seite für Seite.

In Der Stift und das Papier erzählt Hanns-Josef Ortheil vom Schreiben. 384 Seiten lang. Und er erzählt dabei von niemand anderem als sich selbst. Von seinen allersten Anfängen als Schreibender, von seinen Entdeckungen im Land der Sprache.

Was ich bis dato nicht wusste: Hanns-Josef Ortheil hatte eine ungewöhnliche Kindheit. Bis zu seinem siebten Lebensjahr spricht er kein Wort. Er bleibt stumm, genau wie seine Mutter, die im Krieg vier von fünf Kindern verloren hat und nur über Zettel und Stift mit ihrer Umwelt kommuniziert. Erst mit Beginn der Schulzeit beginnt Hanns-Josef zu sprechen – mühsam, denn die Welt der Kommunikation ist ihm fremd.

Wie man sich vorstellen kann, hat es Hanns-Josef in der Schule mehr als schwer. Er versteht nur die Hälfte, wird von den Mitschülern verspottet. Die Lehrer raten zur Förderschule, denn sie selbst hätten keine Möglichkeiten auf den Jungen einzugehen. In dieser prekären Lage wird Hanns-Josefs Vater zum Nachhilfelehrer. Er veranstaltet für seinen Sohn in den Sommerferien eine „Schreibschule“.

Und davon erzählt „Der Stift und das Papier“. (mehr …)

Alleine am Schreibtisch sitzen

Ich denke seit Wochen immer wieder über eine Bemerkung von Jutta Reichelt nach. Auf die Frage, warum sie schreibt, sagte sie: Weil ich gerne alleine am Schreibtisch sitze. Ich war ziemlich verblüfft, welche Wirkung dieser Satz auf mich hatte. Ja, genau, das ist es.

Weil ich gerne alleine am Schreibtisch sitze.

Jetzt zum Beispiel gerade. Es ist 10 Uhr an einem müden Sonntagmorgen, ich habe zu wenig geschlafen, bin aber merkwürdig wach. Draußen verzieht sich der Nebel über den Dächern und aus den kleinen, roten Schloten steigt Rauch auf. Mein Schreibtisch ist übersichtlich chaotisch; ich fühle mich still und friedvoll. (mehr …)

Warum du nicht Schuld bist, wenn es mit der Kreativität nicht klappt

Lasst uns mal über Umgebungen reden. Manche Umgebungen bringen das Beste in uns hervor, manche das Schlechteste.

Ich erlebe das gerade in meinem Job als Backwarenverkäuferin. Ich in der Großfiliale: Den ganzen Tag nur am Rumhetzen, riesiger Druck, vergiftete Atmosphäre. Ich pampe Kunden an, spreche schlecht über Kollegen und gefalle mir selbst nicht in der Rolle der müden, überforderten Verkäuferin.

Dann wechsle ich in eine viel kleiner Filiale mit weniger Hektik, übersichtlicheren Aufgaben und entspannten Kollegen – und siehe da: In mir drin wird es ruhig, ich atme auf, und selbst die griesgrämigsten Kunden kann ich mit einem Lächeln nehmen.

Vielleicht hast du genau solche Situationen in deinem Leben auch schon erlebt.

Im Großraumbüro bist du den ganzen Tag nur am Kämpfen – im Einzelbüro bist du wunderbar produktiv. Mit manchen Menschen fällt es dir leicht, witzig und entspannt zu sein – mit anderen ist der ganze Abend irgendwie verkrampft. In deinem Heimat-Volleyballverein bist du unschlagbar schnell – in dem Team, in dem du ab und zu aushilfst, kommst du nie auf dieses Energielevel. (mehr …)