Zugegeben, das ist eine etwas ketzerische Frage.

Aber dann doch irgendwie berechtigt, wenn man mal auf die bloßen Zahlen schaut. Rund 90.000 Bücher erscheinen im deutschsprachigen Raum pro Jahr. Neunzigtausend! Was für eine Zahl.

In meinem Kopf poppen da automatisch ein paar Fragen auf:

Wer soll das alles lesen?

Will das jemand lesen?

Sind diese Bücher für irgendwen da draußen relevant?

Die einfache Antwort lautet: Ja, offenbar schon. Denn natürlich würden Verlage keine Bücher veröffentlichen, wenn es nicht auch Leserinnen und Leser gäbe, die diese Bücher kaufen.

Für mich geht diese Frage aber noch etwas tiefer. Denn ich ermutige Menschen zu schreiben. Ich ermutige Menschen, Bücher zu veröffentlichen. Ich ermutige sie, ihre Ideen in die Welt zu bringen – in welcher Form auch immer. Und das kann ich nur tun, weil ich der felsenfesten Überzeugung bin, dass es sich lohnt. Und weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass Bücher enorme Dinge vermögen.

Um das zu erklären, muss ich euch von meinem Sommer erzählen. Um genau zu sein: Von meinem Lesesommer. Denn ich hatte ein paar ziemlich phantastische Begegnungen mit Büchern in den letzten Monaten.

Da war zum Beispiel Wir beide wussten, es war was passiert von Steven Herrick. Der offiziellen Definition nach eigentlich ein „Jugendbuch“. Aber in Wirklichkeit ein Roman in Gedichtform, eine ganz feine und zarte Erzählung über eine große Liebe. Schon als ich in der Buchhandlung stand und die ersten Seiten las, hat sich in mir drin etwas verrückt. Ich wusste: Dieses Buch ist für mich und ich muss es lesen.

Tagelang lag das Buch bei mir und ich wartete auf den perfekten Augenblick, um es zu lesen. Und dann nahm ich es an einem Abend mit an den See, bei untergehender Sonne und las und atmete und las und atmete und dann rollten die Tränen über meine Wangen.

Irgendetwas an diesem Buch sprach direkt in meine Seele.

Ein zweites Buch hat mich in diesem Sommer gekriegt: Selbstmitgefühl von Kristin Neff. Ich nehme dieses Buch immer mal wieder zur Hand, wenn ich mich in Gedanken und Dramen verliere – und fühle mich jedes Mal geerdet.

Diesen Sommer hatte ich ein sehr eindrückliches Erlebnis: Ich bin nachts um halb vier aufgewacht, voller Unruhe und voller Zukunftssorgen. Ich hab Licht gemacht, bin zum Bücherregal und hab mir das Buch mit ins Bett genommen… und während ich las, wurde ich ruhiger und ruhiger. Die Worte der Autorin fielen in mich hinein wie kleine Steinchen, die in ruhiges Wasser fallen, und breiteten Ring um Ring der Ruhe um mich herum.

Mit der Hand auf dem Buchdeckel schlief ich wieder ein.

Und noch ein drittes Buch ist mir in Erinnerung: Das große Los von Meike Winnemuth. Der Bestseller von der Frau, die bei Günther Jauch eine halbe Million Euro gewann und daraufhin eine Weltreise machte.

Eigentlich bin ich davon überzeugt, dass Reisen überhaupt nicht mein Ding ist. Schon gar nicht alleine reisen. Schon gar nicht um die Welt. Aber dieses Buch hat diese Überzeugung aufgebrochen, Kapitel für Kapitel. Die wunderbaren atmosphärischen Beschreibungen zu jeder Stadt, die klugen Gedanken der Autorin, die Leichtigkeit, mit der sie neue Menschen kennerlernt… das will ich auch!

Ich weiß noch, dass ich das Buch während einer Radtour in der Fahrradtasche hatte und darin unterwegs schömkerte. Abends kam ich zurück an meinen Schreibtisch und kannte auf einmal die Antwort auf eine Frage, die ich mir in den Tagen zuvor wieder und wieder gestellt hatte.

Der Mut und die Klarheit der Autorin hatte mir plötzlich Mut und Klarheit verliehen.

Das war mein Lesesommer, ihr Lieben.

Und vielleicht ahnt ihr schon, was ich sagen will: Was wäre, wenn nur ein einziger dieser Menschen beschlossen hätte, sein Buch NICHT zu schreiben? Einach aus dem Grund heraus, weil es vielleicht noch andere, viel bessere Bücher gibt? Was wäre, wenn eines dieser Bücher nicht gedruckt worden wäre, weil sein Urheber sich gedacht hätte: „Ach, es gibt schon so viele Bücher da draußen… was ich zu sagen habe, ist eh nicht der Rede Wert“?

Ein ziemlicher Verlust.

Denn Bücher können so vieles. Sie machen so vieles mit mir. Und vor allem, machen sie Gutes mit mir. Sie beruhigen und trösten mich. Sie erinnern mich. Sie ermutigen mich. Sie streicheln meine Seele. Sie geben mir das Gefühl, nicht alleine zu sein. Sie bestärken und beschützen mich.

In diesem Sinne möchte ich allen Zweiflern da draußen sagen: Schreib dein Buch. Bring in die Welt, was dir wichtig ist. Denn wer weiß? Vielleicht gibt es eines Tages jemanden, der mit deinem Buch an seiner Seite einschläft, eine Hand auf dem Buchdeckel.

Dann hätte sich alles schon gelohnt. Oder?

Foto: flickr.com (Seabamirum)

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2 Kommentare

  1. Veröffentlich von papiertänzerin am 4. Oktober 2017 um 17:41

    Ja, denn Bücher sind manchmal wie Freunde.

    • Veröffentlich von Franziska Schramm am 5. Oktober 2017 um 21:38

      Ha! So kurz und bündig wäre die Antwort gewesen! Und ich schreibe und schreibe und schreibe… und du sagst es in 7 Worten. Donnerlittchen 😉

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