Ich muss mal eine Frage in die Runde stellen. Was ist für euch Erfolg? Und zwar Erfolg beim Schreiben? Was wollt ihr erreichen mit euren Texten, mit dem, was ihr schreibt?

Ich stelle diese Frage, weil ich immer wieder darüber nachdenke, was ich mit dem Schreiben will. Und mir kommen automatisch diese Dinge in den Sinn:

Bei einem Literaturwettbewerb gewinnen. Nicht bei einem der kleinen, regionalen Wettbewerbe, sondern einem mit richtig viel Strahlkraft. Wo bei der Preisverleihung Literaturagenten mir ihr Kärtchen zustecken.

Ein Blog schreiben, das richtig viele Leser hat. Also nicht so zehn, zwölf am Tag. Sondern zehntausend. So dass das ZEIT Magazin mich anruft und fragt, ob ich was für sie schreiben will.

Ein Buch veröffentlichen. Eines mit einer richtig guten Geschichte, einem extrem geilen Cover und meinem Namen darauf. Eines, das richtig durch die Decke geht und auf allen Kanälen gefeiert wird.

All das sind schöne Phantasien. All das begeistert mich. Ein Stück weit. Denn genauso schnell wie mich die Lust auf Fame überfällt, kommt mir der Zweifel. Ist das alles wirklich erstrebenswert?

Und viel wichtiger: Wie es es umgekehrt? Was ist denn, wenn ich all das NICHT habe? Kein geiles Buch, kein geiles Blog, keinen Preis? Bin ich dann gescheitert? Erfolglos?

Wenn ich darüber nachdenke, dann lande ich immer wieder bei einer Definition von Erfolg, die mir seit jeher einleuchtet: Erfolg ist, wenn man ein selbstgestecktes Ziel erreicht. Das bedeutet, dass es objektiv gar keine Kriterien für Erfolg gibt. Sondern nur subjektive.

Was will ich also mit dem Schreiben? Was ist mein ureigenstes Anliegen?

Um das zu erklären, muss ich von meinem letzten Auftritt bei einer Lesebühne in Konstanz erzählen. Ja, ich habe Applaus bekommen. Ja, ich wurde hinterher von Leuten angesprochen, die meinen Text toll fanden, einige meinten sogar: Der beste Text des Abends.

Das war schön zu hören. Aber tatsächlich war es etwas anderes, was ich als „Erfolg“ empfunden habe:

Ich war ich.

Ich habe einen Text gelesen, von dem ich wusste, dass er zu einhundertprozent aus mir kommt. Dass nur ich diesen Text habe schreiben können – auf meine Weise. Trotz zittriger Knie habe ich mich unheimlich stark gefühlt – weil ich wusste, dass ich mich hören lasse, dass ich meine Stimme hören lasse, laut und deutlich.

Und, vielleicht das wichtigste: Ich wusste, dass im Publikum Freunde sitzen, die nur wegen mir da sind. Nicht, weil sie Literaturfreaks sind und abends nichts bessers zu tun haben, als zu Lesebühnen zu gehen – sondern weil ich ihnen wichtig bin. Gibt es etwas Schöneres?

So wie es aussieht, kann ich auf Fame ganz schön gut verzichten. Weil es ganz andere Dinge sind, die für mich zählen. Und die ich mit meinen Texten erreichen will.

Also, zurück zu meiner Frage: Wie ist das bei euch? Was ist für euch Erfolg beim Schreiben?

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