Fuck counting words, go creative!

Sagt mal, geht euch das eigentlich auch auf den Sack?

Diese Blogposts, in denen Leute jammern, dass sie ihr Schreibpensum nicht eingehalten haben. Dass sie eigentlich 5.000 Zeichen mindestens schreiben wollten, es aber (böse böse!) einfach nicht geschafft haben. Dass sie dringend an ihrer Disziplin arbeiten wollen – nein: müssen!

Schreiben scheint etwas Mühsames zu sein. Und zwar nicht nur für diejenigen, die tatsächlich veröffentlichen und ausschließlich vom Schreiben leben, sondern bereits auch für diejenigen, die da mal hin wollen. Menschen, die eigentlich keinerlei Druck unterliegen sollten – diesen aber offenbar dennoch verspüren.

Manchmal beschleicht mich das Gefühl, dass da etwas gründlich schief läuft. Es scheint so etwas wie einen neuen Typ „Autor“ zu geben. Und der ist effizient. Und durchorganisiert. Und genau deshalb so erfolgreich.

Das romantisch verklärte Bild des Schriftstellers – sozial isoliert, schwankend zwischen Genie und Wahnsinn – hat ausgedient. Gott sei Dank! Aber an seine Stelle, so scheint mir, ist etwas mindestens genauso Unrealistisches getreten. So eine Art „ökonomisierter“ Autor.

Einer, der nicht einfach nur schreibt, sondern jemand, der seine literarischen Projekte managet wie ein Logistiker seine Lagerbestände.

Einer, der dank Softwareprogrammen immer den perfekten Überblick über seinen Text hat.

Einer, der punktgenau ein Ergebnis liefern kann, wenn er nur will.

Nur, damit wir uns nicht missverstehen: Ich habe nichts dagegen, dass Menschen schreiben und dabei alle Hilfsmittel nutzen, die ihnen zu Verfügung stehen. Und natürlich hilft Schreibroutine bei größeren Projekten – je mehr Erfahrung man mit dem Schreiben hat, desto einfacher wird es mit der Zeit.

Aber: Ich halte es für den größten Schwachsinn der Welt, zu glauben, man müsste jeden Tag Wörter zählen, weil man das als „professioneller Autor“ eben so macht. Man steckt sich ambitionierte Ziele – aber tut man das aus dem Bedürfnis heraus, wirklich in Kontakt mit der eigenen Kreativität zu kommen? Oder weil man versucht, sich selbst zu jemand zu machen, der man gar nicht ist?

Ich zumindest funktioniere so nicht. Immer, wenn ich mich der Frage beschäftige: „Was sollte ich tun, um mehr, besser und erfolgreicher zu schreiben?“, hält mich das vom Schreiben ab.

Wenn ich mir keine Gedanken darüber mache und mir einfach erlaube, jetzt, hier auf der Stelle, meinen kreativen Impulsen nachzugehen – dann bin ich im Flow. Und dann brauche ich keine Wörter zu zählen. Es werden eh so viele wie es braucht.

Ich denke, dass Schreiben Zeit, Raum und Licht braucht. Und dass letztlich jeder selbst für sich herausfinden muss, wie er oder sie genau das bekommt. Die einen gehen spazieren oder auf Reisen. Die anderen brauchen ihre tägliche Stunde vor dem Laptop. Die einen brauchen möglichst keinen Druck – und wieder andere brauchen eine Deadline.

Allen, die gerne jeden Tag ihr persönliches Pensum schreiben und sich dabei wohl fühlen, denen möchte ich sagen: Perfekt, dann macht weiter so! Und allen anderen möchte ich sagen: Fuck counting words – go creative!

In diesem Sinne: Schreibt! Und feiert eure Kreativität als das größte Geschenk, das ihr habt.

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