Irgendwann kommt sie immer, die Gretchenfrage: Kann ich schreiben? Eine schwierige Frage. Bis dato hatte ich sie mir immer selbst gestellt, vor drei Jahren stellte sie mir zum ersten Mal ein Teilnehmer einer Schreibwerkstatt.

Tja, was sagt man da? Da steht so ein Neunzehnjähriger vor dir, gerade das Abi in der Tasche, Pläne fürs Studium, und erzählt dir, dass er eigentlich gerne Autor werden möchte. Und fragt dich, ob du glaubst, dass er das Talent dazu hat.

Ich gebe zu, ich habe ein wenig rumgeeiert. Meine Antwort: Naja, das Autorendasein ist hart, kaum jemand in Deutschland kann tatsächlich von seinen Büchern leben, und naja, Talent alleine genügt nicht, du brauchst auch Disziplin und Ausdauer…

Was für ein Bullshit!

Der Typ wollte keine Berufsberatung von mir, keine Stellenbeschreibung mit Kompetenzanalyse – alles, was er wissen wollte war: Kann ich schreiben? Oder besser gesagt: Darf ich schreiben? Darf ich darauf vertrauen, dass es eine gute Idee ist, dass ich mich vor meinen Laptop setze und in die Tasten haue? Darf ich sicher sein, dass das, was ich das produziere, irgendjemand interessiert? Dass es mich irgendwie weiter bringt?

Für mich schwingt in der Frage nach dem Talent immer auch die Angst um das Nicht-Können und Nicht-Dürfen: Bin ich gut genug in dem, was ich tue? Und wenn nein, sollte ich es dann vielleicht besser lassen? Eine bescheuerte Angst, die einen meistens genau das NICHT tun lässt, dass man eigentlich von Herzen will.

Heute würde ich meinem Schreibwerkstattteilnehmer antworten: Wenn du schreiben willst, dann schreib. Wenn du das Gefühl hast, dich mit dir und deiner Sprache beschäftigen zu wollen, dann tu es.

Im Übrigen hast du außergewöhnlich viel Talent. Aber wenn ich dir das sage, was machst du dann damit? Nimmst du es als Ansporn und schreibst ab sofort jeden Tag drei Seiten? Oder denkst du dir: „Die will bestimmt nur nett sein…“ und hörst entmutigt auf?

Der einzige, der sich das Schreiben erlauben oder verbieten kann, bist du.

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