Ich lese gerade den Klassiker „Writing Down the Bones“, in dem Autorin Natalie Goldberg aus ihrem Schreiballtag erzählt und auf unbekümmerte und unverschnörkelte Weise anstiftet, es ihr gleich zu tun.

Worüber ich dabei mehrfach gestolpert bin, ist ihre Aufforderung: „Lass dich beim Schreiben gehen!“

Hmm? Ernsthaft? Ist das korrekt aus dem Englischen übersetzt? Was soll das heißen, sich gehen lassen beim Schreiben?

Je mehr ich aber darüber nachdenke, desto mehr gefällt mir die Formulierung. Vor allem, weil ich sie tatsächlich auf zweifache Weise lesen kann.

Erstmal bedeutet „Lass dich gehen“ ja so viel wie: Sei hemmungslos! Lass dich ins Schreiben reinfallen, als würdest du betrunken auf der Tanzfläche stehen und hemmungslos abspacken, völlig egal, was die Leute um dich herum denken. Gib die Kontrolle auf und überlass dich all deinen Impulsen!

Ehrlich gesagt: Das gefällt mir. Das gefällt mir sehr.

Denn ja, wie oft meldet sich beim Schreiben die mahnende Stimme des Inneren Kritikers, der fehlende Ernsthaftigkeit anmahnt. Zu kitschig! Zu banal! Zu obszön! Nicht politisch korrekt! All das bremst den Schreibfluss. Und da hilft die Erinnerung an die Hemmungslosigkeit.

Ja! Einfach mal gehen lassen! Einfach mal nen Text raushauen!

Völlig egal, ob „man“ das so macht oder nicht, völlig egal, ob das jetzt große Literatur ist, oder einfach nur ein kleiner Gehirnfurz, der durch meine Gedanken zieht.

Raus damit! Let it go!

Und da wären wir dann auch schon bei der zweiten Lesart von „Sich gehen lassen“: Lass dich deinen Weg gehen. Lass es zu, dass du gehst. Lass es zu, dass du diesen Weg einschlägst, von dem du noch nicht weißt, wohin er dich bringen wird. Überlass dich der Unwissenheit.

Auch das erleichtert mich. Denn genau so ist es beim Schreiben. Wenn ich einen Text beginne, weiß ich nie, wohin er mich bringt. Ich kann es nicht wissen und ich muss es auch gar nicht wissen.

Ja! Sich gehen lassen! Darauf vertrauen, dass die Füße Schritt für Schritt ihren Weg finden. Darauf vertrauen, dass man schon irgendwo ankommt.

Also, mir gefällt das. Und ihr, ihr Lieben?

Was passiert, wenn ihr euch „gehen lasst“? Habt ihr‘ schon mal ausprobiert? Ich freue mich über Nachrichten und Kommentare!

Foto: „Holi I Festival of Colors 2014“ by Steven Gerner (CC BY-SA 2.0)

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