Sachen machen

Kennt ihr dieses befriedigende Gefühl, Sachen zu machen? Etwas zu kreieren? Dinge hervorzubringen? Und umgekehrt – kennt ihr dieses entsetzliche Gefühl, wenn ihr es nicht tut?

Ein Freund von mir ist so jemand, der eigentlich gerne Sachen macht. Kein Autor, nein, ein Ingenieur. Er ist mit Anfang 30 Leiter eines Entwicklungsteams und könnte eigentlich zufrieden sein, dass er es so weit gebracht hat. Das Problem ist nur, dass er in seiner Position mit dem eigentlichen Entwickeln neuer Produkte nichts mehr zu tun hat. Wann immer er über seinen Job spricht, sagt er: Ich muss mich immer um den Mist der Anderen kümmern, ich komm nie dazu, meine eigenen Sachen zu machen.

Ja, fuck, ich kenne das. Was für ein unbefriedigendes Gefühl.

Da hat man nun mal einen schöpferischen Kern in sich – und dann liegt der nutzlos herum. Es fühlt sich an, als wäre man meilenweit von sich selbst entfernt.

Ich hatte auch schon Jobs, in denen ich keine Sachen gemacht habe. Sondern nur irgendwas verwaltet oder wiedergekäut oder weiterkommuniziert. Das ging auch eine Zeit lang wunderbar. Und das waren auch keine schlechten Jobs. Aber irgendwie nagte das an mir, dieses: Ich kann hier nichts gestalten, ich kann hier keine Ideen umsetzen, ich bin hier mit meiner Kreativität nicht am richtigen Ort.

Schöpferisches Tun gehört zu uns Menschen untrennbar dazu. Und es ist egal, ob wir ein neues Rezept kreieren oder ein Vereinsfest organisieren, ob wir ein Regal designen oder fotografieren, ein Buch schreiben oder unser eigenes Fahrrad bauen. Sachen machen ist zutiefst befriedigend – völlig egal, wie groß oder klein die Sache ist, und völlig egal, ob man sie „Kunst“ oder „Arbeit“ oder „Hobby“ tauft.

Ich für meinen Teil habe eine recht erstaunliche Lösung gefunden, wie ich ein schöpferisches Leben führen kann. Ich habe einen Teilzeitjob, in dem ich KEINE Sachen mache. Ich gestalte nichts, ich bringe nichts hervor, ich spule lediglich jeden Tag dieselbe Routine ab. Eigentlich die Hölle für eine Sachen-Macherin wie mich.

Aber: Dieser Job verschafft mir die Zeit und die gedankliche Freiheit, jeden Tag schöpferisch zu sein. Jeden verdammten Tag. Ich koche für Freunde, improvisiere auf dem Klavier, zeichne Comics, komponiere Songs, tanze zu lauter Musik, backe Kuchen… und das wichtigste: Ich schreibe. Ich bringe Figuren in die Welt und Sprache zum Leuchten. Ich mache permanent Sachen, neue Sachen, aufregende Sachen. Und mehr und mehr spüre ich: Das ist mein eigentlicher Job.

Was machst du für Sachen? Und welche Wege gehst du, damit diese Sachen in die Welt kommen?

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