Schreiben udn Zweifeln

Schreiben und Zweifeln

Ich weiß nicht, ob du das von dir auch kennst, aber mein Geist kann etwas, was gleichzeitig wundervoll wie grauenhaft ist:

Er kann Dinge in Frage stellen.

Das ist insofern wundervoll, weil mich dieses Infragestellen antreibt. Ich will Dinge wissen. Mich interessieren Zusammenhänge. Und ich schaue lieber noch mal hin, ein zweites, ein drittes Mal, untersuche die Dinge immer wieder neu – und frage mich: Ist das so? Kann man das nicht auch anders sehen? Was ist hinter den Dingen?

Ich glaube, das ist eine der wichtigsten Triebfedern meines Schreibens. Ich brauche diese Fähigkeit ganz unbedingt, dieses „Es wissen wollen.“ Die Neugier. Und das damit verbundene Infragestellen der Dinge.

Die andere Seite der Medailles des Infragestellens ist, dass ich vor mir selbst natürlich nicht Halt mache. Dass auch das, was ich tue, immer wieder auf dem Prüfstand steht. Und ehe ich mich versehe, ist er da: Der handfeste Zweifel.

Ob dass, was ich tue, gut ist. Ob es Bestand hat. Ob es nicht Unsinn ist, auf meine Freiberuflichkeit zu beharren. Ob es nicht Unsinn ist, mich schreibend auszudrücken, weil es zu nichts führt. Ob nicht alle anderen (alle! anderen) ein viel besseres Leben führen als ich, und wenn nicht ein besseres, dann zumindest ein leichteres.

Ich weiß nicht, ob du dieses Ausmaß des Zweifeln kennst. Dieses sehr grundsätzliche, alles in Frage stellende Zweifeln. Dieses Zweifeln, das die Schultern schwer macht und so ein finsteres Grummeln im Bauch.

Mittlerweile bin ich lange genug auf dem Weg unterwegs, dass ich weiß, wenn es wieder so weit ist. Da ist er wieder, der Zweifel, kenn ich doch, war ja klar, dass der irgendwann aufkreuzt. Das ist zwar schon mal ein guter Anfang, den Zweifel zu kennen – macht die Sache mit ihm aber nicht unbedingt besser.

Denn Zweifeln tut weh. Es macht müde. Und traurig.

Den einzigen Weg, den ich kenne, um mit dem Zweifel umzugehen – ohne zu verzweifeln – ist: Dem Zweifel Raum geben. Ihn da sein lassen. Akzeptieren, dass das jetzt eben wieder die Phase ist, wo der Zweifel etwas lauter ist als die Hoffnung. Im Wissen darum, dass es auch andere Phasen geben wird, in denen Hoffnung und Freude wieder die viel lauteren Stimmen sein werden.

Was noch hilft: Mich mit anderen Menschen auszutauschen, die ebenfalls auf der Reise im Reich der Kreativität unterwegs sind. Die genau wissen, wie sich dieser Punkt anfühlt, an dem das Infragestellen ins Zweifeln umkippt. Und die etwas teilen von ihrer Erfahrung, ihrem Optimismus, ihrer Freude am Tun… oder ihrem eigenen Zweifeln.

Meistens lässt der Druck dann ein wenig nach. Und ich kann wieder sehen, wie wertvoll mir die Dinge sind, die ich tue. Ich kann sehen, wie gerne ich schreibe – unabhängig davon, ob irgendein Mensch das liest und gut findet. Und ich kann sehen, wie sehr ich mein Leben liebe.

Denn im Grund genommen habe ich es mir genau so ausgesucht.

PS: Was tust du, wenn du zweifelst? Wie verhinderst du, dass du verzweifelst? Ich freue mich über Nachrichten und Kommentare!

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