Und plötzlich ist da ein „Ich weiß wieder, was ich will“ – Interview mit Sabrina Gundert

Sabrina Gundert begleitet Frauen, die auf der Suche nach ihrem „Herzensweg“ sind. Das Schreiben ist dabei mit die wichtigste Methode in Sabrinas buntem Coaching-Koffer – eine Art Türöffner zu den ureigenen Wünschen, Ideen und Visionen. Ich habe sie kennenlernen und interviewen dürfen… über ihre Arbeit und das Schreiben.

 

­­­­Sabrina, was für Frauen kommen zu dir und wie sieht das aus, wenn du dich mit ihnen auf die Suche nach dem Herzensweg begibst?

Zu mir kommen Frauen, die für sich gemerkt haben, dass etwas nicht mehr rundläuft in ihrem Leben. Dass etwas fehlt, sie sich vielleicht sogar ein Stück weit verloren haben. Die Frage ist oft: Was macht mich eigentlich aus, was sind meine Träume? Oder auch: Wie finde ich den roten Faden in den vielen Dingen, die mich interessieren? Das Spannende ist: Eigentlich ist alles schon da. In uns. In unserem Alltag nehmen wir uns nur oft zu wenig Zeit, uns selbst zuzuhören.

Welchen Stellenwert hat das Schreiben in deiner Arbeit?

Schreiben ist eines der Hauptmittel, mit denen ich arbeite. Sei es im Coaching oder in meinen Seminaren. Dabei erlebe ich immer wieder, dass besonders auch Menschen, die sagen „Ich kann gar nicht schreiben“ während des Tuns viel Freude daran haben. Beispielsweise dann, wenn sie bemerken, wie sich schreibend etwas verändert, bewegt. Wie sie sich über ihre Ängste hinausgeschrieben haben. Und plötzlich dort, wo vorher ein „Ich weiß gar nicht, wie ich weitermachen soll“ war, ein „Ich weiß wieder, was ich will“, ist.

Was ist gerade das Besondere am Schreiben?

Schreibe ich etwas auf, hat das eine andere Kraft, als wenn ich es nur denke. Es macht einen Unterschied, ob ich etwas Schwarz auf Weiß auf Papier sehe – oder es nur in meinem Kopf habe. Und es dann vielleicht sogar noch jemandem vorlese. Auf einmal werden die Dinge greifbar, realistisch – und manchmal tun sich auf einmal ganz neue Wege auf.

So ging es mir beispielsweise mit meinem Schritt in die Selbständigkeit. Begleitend zu meinem Geographiestudium habe ich eine journalistische Ausbildung gemacht, während dieser Zeit die Freude am Schreiben aber verloren – denn Druck und Vorgaben von außen waren an der Tagesordnung. Also dachte ich, gehe ich doch lieber in die Geographie. Während eines mehrmonatigen Praktikums in einem Forschungszentrum habe ich dann allerdings gemerkt: Das ist es nicht. Doch ich hatte keine Ahnung, wie es weitergehen, was ich sonst machen sollte.

Einige Monate später war ich dann in einem Meditationszentrum in der Schweiz, hatte ein Zimmer mit Blick auf einen See und das Alpenpanorama. An einem der Nachmittage dort saß ich in der Stille, nahm ein Blatt Papier und einen Stift und habe plötzlich geschrieben: „Ich werde ein Buch schreiben, meine Website wird handgeschrieben.de heißen und ich werde kreative Schreibwerkstätten leiten“. Ich hab dagesessen und gestaunt. Denn ich hatte gedacht, keine Antworten zu haben. Doch in der Stille kamen sie von ganz alleine und ich bemerkte: Alles ist längst schon da. Genau so bin ich dann in die Selbständigkeit gestartet.

Da haben wir eine ähnliche Erfahrung gemacht. Ich hätte vermutlich auch nie angefangen freiberuflich zu arbeiten und dieses Blog zu schreiben, wenn ich nicht irgendwann mal aufgeschrieben hätte, was ich wirklich will. Erfahrungsgemäß bringen aber gerade die ganz großen Träume jede Menge Ängste und Zweifel mit sich…

Ja, wenn ich weiß, wie mein Traum aussieht, türmt sich da erst mal ein Berg auf. Angenommen, ich will Künstlerin werden – müsste ich dafür nicht nach Berlin ziehen? Oder besser noch nach New York? Und wie organisiere ich das mit den Ausstellungen? Und schon rattert das ganze Kopfkino los und nach zehn Minuten gebe ich auf, weil der Berg viel zu groß ist. Stattdessen können wir uns fragen: Was kann ich heute, hier und jetzt, tun? Heute kann ich beispielsweise in den Schreibwarenladen gehen, mir Pinsel und Leinwand holen und einfach anfangen.

Gibt es so etwas wie eine Standard-Schreibübung, die du mit jeder machst, mit der du arbeitest?

Nein, denn so unterschiedlich die Menschen sind, die zu mir kommen, so individuell sind auch die Mittel, mit denen ich arbeite. Wo wir aber beim Thema Ängste und Zweifel sind – da gibt es eine Übung, die ich schon vielen ans Herz gelegt habe, die Schwierigkeiten mit ihrem inneren Kritiker haben. Hierfür nehme ich ein buntes Blatt Papier und notiere dort all die Sätze, die der Kritiker sagt, während ich beispielsweise an meiner Vision oder einem Herzensprojekt arbeite.

Das hat erstens den positiven Effekt, dass der Kritiker auf diesem Blatt seinen Platz bekommt und wir in Ruhe am Eigentlichen weiterarbeiten können. Zweitens können wir dadurch auch besser erkennen, was da eigentlich in unserem Kopf abläuft. Und wir können unterscheiden lernen: Was sind reale Ängste – und wo wiederholt sich nur die alte Schallplatte? Einmal war eine Frau bei mir im Coaching, deren innerer Kritiker sagte: „Du kannst dich doch nicht mit der Kunst selbständig machen!“ Durch die Beschäftigung mit ihm verlor ihr innerer Kritiker an Größe und sie erkannte, dass er eigentlich auf ihrer Seite stand, ja, ihr sogar helfen wollte.

Welche Methoden benutzt du ergänzend zum Schreiben?

Je nach Situation ganz unterschiedliche. Mal ist es hilfreich, eine bestimmte Lebenssituation aufzumalen oder ein Unterstützungsbild zu gestalten. Manchmal gehe ich mit den Frauen raus in die Natur und finde mit ihnen gemeinsam ein Ritual, wenn es zum Beispiel darum geht, vom Alten Abschied zu nehmen und etwas Neues willkommen zu heißen.

Was mir außerdem wichtig ist, ist das Singen, beziehungsweise das Tönen. Da geht es gar nicht um Schönheit oder Perfektion, sondern darum, mich hörbar zu machen. Wenn ich schreibe, passiert das ja in der Stille. Aber wenn ich singe oder töne, erhebe ich meine Stimme, jeder kann mich hören. Das kann ein Aaahhh oder ein Heijaho sein, einfach das, was gerade in mir ist. Über das Singen und Tönen lasse ich meine Stimme wieder erklingen – und hole mir damit auch im übertragenen Sinne meine Stimme und Kraft zurück.

Wie nutzt du das Schreiben für dich selbst?

Ich schreibe täglich die Morgenseiten von Julia Cameron. Ich knipse morgens das Licht an, setze mich hin, hole mein Notizbüchlein hervor und schreibe drei Seiten. Das ist für mich wie eine Dusche; es klärt mich innerlich. Aber auch sonst schreibe ich immer und überall – wenn ich unterwegs gerade keinen Block dabei habe, notfalls auch auf die Rückseite einer Bahnfahrkarte.

Lektüretipp: Wer sich schreibend auf seinen eigenen Herzensweg begeben will, der findet Impulse, Schreibanregungen und Meditationen in Sabrinas Buch „Hab Mut und geh“.

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