Julia Engelmann

Letztes Wochenende war ich auf einem „Leszert“ (eine Symbiose aus Lesung und Konzert) von Julia Engelmann. Das ist jene junge Dichterin, die mit dem Youtube-Clip zu ihrem Gedicht „On day, baby“ berühmt geworden ist. Und die mittlerweile mit ihren Gedichten und Liedern tourt. Mit eigenem Bühnenteam. Mit Lichtshow. Mit tausenden von Zauschauern.

Unfassbar!

Eigentlich hatte ich gar nicht vorgehabt hinzugehen, hab dann aber überraschend Tickets geschenkt bekommen. Und war völlig überrascht, wie wunderbar atmosphärisch die Veranstaltung war, wie witzig, entspannt und freudig diese Dichterin ihr Programm auf der Bühne abgefackelt hat hat. Und wie sehr ich dann doch berührt war von ihrer Art Texte zu Gehör zu bringen.

So wie es aussieht war ich aber nicht die einzige, die sich von den Gedichten und Liedern hat bewegen lassen. Es gab einen Timeslot, in dem das Publikum Fragen stellen konnte. Diese Gelegenheit haben viele Zuschauer genutzt, um Danke zu sagen und Julia zu erzählen, was ihre Text mit ihrem Leben zu tun haben – von „Du hast mich durch mein Studium begleitet“ bis hin zu „Als mein Vater an Krebs erkrank ist, hat eines deiner Gedichte uns geholfen“.

Ich war richtig platt. Obwohl das eigentlich überhaupt nicht verwunderlich sein sollte.

Denn ja, genau das kann Literatur. Literatur kann berühren und bewegen. Sie kann machen, dass man sich verstanden und getröstet fühlt. Und sie kann Generationen verbinden und fremde Menschen zusammenbringen bei einem Open-Air-Leszert bei strömendem Regen.

Eines hat mich aber besonders Hoffnung schöpfen lassen: Dass Julia Engelmann tatsächlich vom Schreiben leben kann. Dass sie einen Weg gefunden hat, der für sie funktioniert. Natürlich war bei ihr jede Menge Glück im Spiel. Denn dass irgendein x-beliebiges Poetry-Slam-Video (von denen tausende im Netz kursieren) plötzlich zum Megahype wird, war vorher nicht abzusehen (sie hat beim damaligen Poetry Slam noch nicht mal gewonnen, sondern wurde zweitletzte).

Und dennoch: Es kann gehen. Es kann gehen, dass man vom Schreiben leben kann. Es gibt Wege und Möglichkeiten – und jeder Weg ist so individuell wie die jeweilige Autorin oder der jeweilige Autor.

Ich hatte nie das Bedürfnis, meinem eigenen Schreiben das aufzubürden, dieses „Ich muss von meiner Kunst leben können“. Und dennoch bin ich in den letzten Jahren sehr viel offener für die Idee geworden, dass das Schreiben und Schreibenunterrichten mich eines Tages (mit) ernähren könnte. Dann, wenn diese beiden Dinge zur Nahrung für andere geworden sind… dann ergibt das Sinn.

Also werde ich weiterhin meine Texte herzeigen, an Wettbewerben teilnehmen, Gelegenheiten nutzen aufzutreten (so wie zuletzt beim Richtfest in Radolfzell). Und vielleicht, vielleicht tut sich dann ein Weg auf, der gangbar ist. Denn: Who knows?

Wenn du meinen Beitrag kommentierst, werden deine Daten nur im Rahmen deines Kommentars gespeichert und nicht an Dritte weitergegeben. Es gilt meine Datenschutzerklärung.

Hinterlassen Sie einen Kommentar





+ 64 = 73