Warum es so gut tut, gemeinsam kreativ zu sein

Ich mache gerade einen Improtheaterkurs, bei dem ich mit sechs anderen Menschen Improtheater lerne und zum Abschluss des Kurses gemeinsam auf der Bühne stehe. Und ich muss sagen: Es bringt gerade ungemein viel Freude in mein Leben.

Nicht nur, weil ich die Bühne sowieso mag und es mich immer wieder dorthin zieht. Nicht nur, weil der Kursleiter Roberto Hirche mit Leichtigkeit, Humor und Spielfreude unterrichtet. Sondern auch, weil es mir ungemein gut tut in einer Gruppe zu sein, die gemeinsam etwas erarbeitet, gemeinsam etwas Kreatives erschafft.

Wer gemeinsam kreativ ist, lernt sich auf einer anderen Ebene kennen. Sehr viel persönlicher, sehr viel schneller, sehr viel intensiver. Eben weil man nicht am Woher-kommst-du-wo-wohnst-du-was-arbeitest-du-Smalltalk festklebt, sondern weil man sich nahe kommt, in Beziehung zueinander tritt.

Gerade beim Improtheater schlüpft man schnell in verschiedene Rollen und darf Dinge sehr viel größer machen, als man sie im Alltag vielleicht zeigen würde. Und dadurch lerne ich meine Mitstreiter aus sehr vielen Perspektiven und Blickwinkeln kennen. Ich „weiß“ nach wenigen Kursstunden sehr viel mehr über sie, als ich jemals erfahren hätte, wenn ich mich nur mit ihnen unterhalten hätte.

Ich brauche das. Ich brauche Menschen, denen ich nahe kommen kann. Und ich brauche Menschen, die genau wie ich eine irre Freude daran haben, sich in die eigene Phantasie zu begeben und dort umher zu wandern. Eigentlich ist Improtheater nichts anderes als das. Ein permanentes Umhergehen in der eigenen Phantasie, und zwar so, dass diese Phantasie für die Zuschauer sichtbar wird.

Die größte Herausforderung dabei ist, dass man in seiner Phantasie nicht alleine ist, sondern dass man seine Phantasie mit der der anderen Spieler auf der Bühne teilt. Es geht also um ein ständiges Neu-Justieren, Aufeinandereinlassen, ein ständiges Pendeln zwischen der eigenen Wahrnehmungwelt und der des anderen.

Vielleicht ist deshalb gemeinsames Kreativsein auch so besonders: Weil man jenen intimen Raum der eigenen Vorstellungskraft mit anderen teilt. Weil man beim Umherwandeln darin weniger alleine ist als sonst. Vielleicht ist es genau das.

Foto: „together“ by Yohanes Sanjaya (CC BY 2.0)

 

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2 Kommentare

  1. Veröffentlich von Ingrid Asam am 18. Juni 2019 um 17:16

    Das hast du so schön geschrieben.

    • Veröffentlich von Franziska Schramm am 19. Juni 2019 um 10:44

      Danke!!! Und liebe Grüße! 🙂

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