warum sich schreiben immer lohnt

Ich frage mich gerade, ob sich das Schreiben für mich lohnt. Das ist eine Frage, die immer wieder in meinem Kopf aufpoppt. Werde ich es  damit mal zu etwas bringen? Lohnt es sich, dranzubleiben? Kommt dabei was rum? Und wenn es vielleicht nicht der ganz große Reichtum ist, dann doch vielleicht zumindest so etwas wie Ruhm, Anerkennung und begeisterte Fans?

Diese Frage führt mich meistens in ödes, wüstes Land. Denn dort, wo diese Frage lebt, lebt auch die Hoffnungslosigkeit. „Lass es“, flüstern die Stimmen in dieser Wüste, „du wirst nie eine echte Autorin sein.“ „Du bist so naiv, das Schreiben führt dich nirgendwohin“, flüstern sie. „Du könntest es eigentlich auch bleiben lassen, es macht keinen Unterschied.“

Wann immer ich diese Wüste betrete, merke ich, wie schwerwiegend diese Stimmen sind. Sie machen mich klein. Sie verbreiten Null Komma Null Hoffnung. Und sie verändern sich auch nicht. Diese Stimmen sind immer gleich vernichtend. Und eine echte Antwort auf meine Frage „Lohnt sich das Schreiben für mich“ bekomme ich dort nicht.

Eine wirklich gute Antwort bekomme ich, wenn ich dagegen meinen inneren Garten des Schreibens betrete. Wenn es mir gelingt, die schmale Tür zu finden, hinter der er sich verbirgt, dann bin ich jedesmal nur am Staunen. Wie üppig es hier blüht und wächst, wie viele Ideen aus der Erde sprießen! Wie schön es hier ist!

Wenn ich dann unter meinen imaginären Bank in meinem Garten des Schreibens sitze, dann verstehe ich, dass ich von meiner Kreativität eigentlich gar nichts erwarte.

Ich hatte nie den Traum eine „berühmte“ Schriftstellerin zu werden. Alles, was ich will, ist einfach nur überhaupt Schriftstellerin sein. Ich hab gar nicht die Erwartung an meine Kreativität, dass sie mich mit Geld, Anerkennung und Ruhm versorgt. Das muss sie gar nicht.

Zu Schreiben lohnt sich für mich, weil ich mich auf diese Weise selbst besser hören kann, mich selbst besser verstehen kann. Weil ich über das Schreiben mit anderen Menschen in Kontakt treten kann. Weil ich auf angenehme Weise Zeit auf dieser Erde verbringen kann. Kurz gesagt: Schreiben macht mich glücklich.

Das ist deshalb so verblüffend, weil ich dadurch schon alles habe, was ich jemals gewollt hätte. Schreiben lohnt sich zu 100 Prozent für mich. Nicht zu 99 Prozent, sondern zu 100 Prozent.

Wenn ich noch länger darüber nachdenke, was Schreiben in meinem Leben schon alles Gutes bewirkt habe, dann werde ich fast ohnmächtig vor Glück.

  • Ich habe unzählige Gedichte für Freunde geschrieben, immer dann, wenn ich das Gefühl hatte, nur mit Poesie ausdrücken zu können, was ich denke und fühle. All diese Freundschaften wurden dadurch bereichert, ich fühle mich diesen Menschen eng verbunden.
  • Ich habe ein Buch mit meinem Vater geschrieben, in dem wir uns gegenseitig die Geschichten unseres Lebens erzählt haben. Seitdem verstehe ich ihn besser und fühle ich mich ihm näher als je zuvor.
  • Ich habe mir selbst unzählige Texte geschrieben, die mir Orientierung und Halt geben. Dadurch, dass ich geduldig und ausdauern war, dadurch, dass ich selbst klar wusste, was ich will, habe ich meinen Teilzeitjob gefunden, der so perfekt zu mir passt, wie kein anderer.

Das ist mehr als alles, was ich jemals wollte.

PS: Geht es dir genau so? Warum lohnt sich das Schreiben für dich? Was bewirkt es Gutes in deinem Leben? Ich freue mich über Kommentare!

Foto: „Dream catcher in a magical balinese garden. Bali Island“ by Artem Bali (CC0 1.0 Universal)

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