Was ein Literaturpreis so alles macht

So ein Literaturpreis ist ja etwas merkwürdiges.

Erstmal ist da dieses Erstaunen: Huch, hoppla – was ich da schreibe, interessiert tatsächlich andere Menschen! Ich bin jedesmal wieder verblüfft, wenn es passiert. Für kurze Zeit katapultiert es mich in eine andere Zeit und einen anderen Raum.

Im Jahr 2016 war es der Walter-Serner-Preis, der meine Welt komplett auf den Kopf gestellt hat. Und gestern bekam ich einen Anruf: Es ist der Förderpreis der Wuppertaler Literatur-Biennale, den ich als eine von drei Preisträgerinnen und Preisträgern verliehen bekomme.

Aaaahhhh! Wie cool!

Dieser spezielle Preis bringt aber noch eine Merkwürdigkeit mit sich, mit der ich bislang noch nicht zu tun hatte: Jemand anders wird meinen Text vortragen. Denn, so sagte mir die Dame am Telefon, bei der Preisverleihung am 6. Mai werden Schauspielerinnen und Schauspieler die Siegertexte lesen.

What?!? 

Ich gebe zu, ich bin an dieser Stelle innerlich gehörig gestolpert. Denn eigentlich will ich mir das nicht aus der Hand nehmen lassen. Verdammt, ich lese doch so gerne meine eigenen Texte! Ich liebe es, eine Bühne und ein Publikum zu haben.

Und jetzt soll meine Rolle als Autorin reduziert werden auf Hände schütteln und Blumen entgegen nehmen?!?

Als ich mit Anfang 20 zum ersten Mal bei einem Poetry Slam war, war das eine Offenbarung für mich. Lebendige Autorinnen und Autoren mit dem individuellen Klang der eigenen Stimme. Mit einer jeweils bestimmten Art am Mikrofon zu stehen. Mit Texten, die im Resonanzkörper des Publikums widerhallen und dort etwas hervorrufen, vollkommene, gebannte Stille oder entspanntes Lachen. SO ist also Literatur gedacht!

So wie es aussieht, ist mein Selbstverständnis als Autorin noch sehr viel mehr von der Spoken-Word-Kultur geprägt, als ich dachte. Es ist, rein gefühlsmäßig, die Art, wie ich mit meinen Texten in Kontakt mit meiner Umwelt treten kann. Und in dieser Deutlichkeit war mir das noch nicht bewusst.

Und noch etwas, sehe ich jetzt ganz klar: Was manche Autorinnen und Autoren sich vielleicht wünschen – hinter ihren Texte zurückzutreten und zu verschwinden – kommt mir auch deshalb völlig unmöglich vor, weil ich viel zu lang meine Texte vor den Augen anderer versteckt gehalten habe.

Auf die Bühne zu gehen, war ein riesiger Schritt für mich. Es bedeutete, mich zu zeigen. Mich anzufreunden bin meinem Körper, meinem Wesen, mit dem, was ich da produziere. Einen Text selbst vorzutragen, bedeutet für mich, mich ganz in die Waagschale zu geben.

Da bin ich.

Schau, guck, hier bin ich. Das hab ich gemacht.

Und jetzt, da ich diesen riesigen Schritt gemacht habe (der in Wirklichkeit aus tausenden von Mini-Schritten besteht), habe ich keine Lust mehr, nicht gesehen und gehört zu werden. Ich habe keine Lust, mir das wegnehmen zu lassen.

Ich bin doch nicht diesen ganzen Weg gegangen, um dann am Ende das Beste – meine eigene Lesung – zu verpassen!

Oder?

Bestimmt machen diese Schauspielerinnen und Schauspieler ihren Job gut. Aber ich kenne jemand, der tausendmal glücklicher wäre, an ihrer statt auf der Bühne zu stehen. Also, ihr Lieben, Daumen drücken, dass ich das darf!

PS: Kleines Update vom 22.03.: Ich darf tatsächlich selbst lesen! Vielen Dank fürs Daumendrücken – hat geholfen 🙂

Foto: „microphone“ by Carla de Souza Campos (CC BY-SA 2.0)

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12 Comments

  1. Veröffentlich von Jörg am 21. März 2018 um 13:05

    Hallo Franziska!
    Erst einmal herzlichen Glückwunsch zum Preis! Was für eine Wertschätzung deiner Werke! Du kannst stolz auf dich sein!
    Was die Vorlesung angeht bin ich ganz bei dir. Ich hoffe, du bekommst deine dir zustehende Bühne! Ich wäre gern ein Zuhörer!
    Viele Grüße aus FN
    Jörg

    • Veröffentlich von Franziska Schramm am 21. März 2018 um 18:24

      Danke, dass ist sehr nett! Ansonsten lasse ich mich einfach auf das Experiment ein und höre einen Schauspieler meinen Text lesen… und mache eine neue Erfahrung. Horizonterweiterung for free – dazu sage ich im Zweifelfall immer Ja 🙂

  2. Veröffentlich von Christine Zureich am 21. März 2018 um 16:36

    Hab ich’s dir doch gesagt, Fränzi – Kudos!
    Und ja: Ich drück dir die Daumen, und den Wuppertalern auch, dass die dich hören dürfen, deine Stimme.

    • Veröffentlich von Franziska Schramm am 21. März 2018 um 18:24

      Vielsten lieben Dank!

  3. Veröffentlich von gerda löw am 21. März 2018 um 19:10

    gratuliere, liebe Fränzi!
    ich freu mich mit dir.
    Gerda

    • Veröffentlich von Franziska Schramm am 22. März 2018 um 18:01

      Danke, liebe Gerda! Schön von dir zu lesen – du Tolle! 🙂

  4. Veröffentlich von Tanja am 21. März 2018 um 20:08

    Das ist sooo schön! Glückwunsch. Lass dich beehren, du hast es verdient. 😊

    • Veröffentlich von Franziska Schramm am 22. März 2018 um 18:02

      Liebe Tanja, danke fürs Mitfreuen! Bis bald mal wieder… auf einer Schreibwerkstatt oder so! 🙂

  5. Veröffentlich von Nike am 22. März 2018 um 09:45

    Großartig!! Ich gratuliere Dir von Herzen!! Und: genieße Deine Worte aus einem fremden Mund, falls Du sie nicht selber vortragen darfst. Ist doch auch toll! BRAVO!

    • Veröffentlich von Franziska Schramm am 22. März 2018 um 18:04

      Ha, ich darf tatsächlich selbst lesen! Voll schön! Danke fürs Mitfreuen und Mitfeiern! 🙂

  6. Veröffentlich von auch Tanja :-) am 22. März 2018 um 21:01

    Sehr cool! Glückwunsch! Und die ahnen ja gar nicht, was sie verpassen, würden sie dich nicht selbst lesen lassen…

    • Veröffentlich von Franziska Schramm am 23. März 2018 um 10:07

      Danke dir, liebe Tanja! Voll cool, ich darf tatsächlich lesen – weil alle anderen Preisträger auch gesagt haben, dass sie gerne selbst lesen möchten. Geht doch! 🙂

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