Was ich von einer Japanerin übers Schreibtisch-Aufräumen gelernt habe

Ich hab ja ein bisschen gelacht, als ich dieses Buch bei einer Freundin gesehen habe: „Magic Cleaning. Wie richtiges Aufräumen ihr Leben verändert“. Ernsthaft? Ist es schon so weit mit unserem Perfektionswahn, dass wir sogar eine Anleitung zum Aufräumen brauchen? Kann man denn da so viel falsch machen?

Wie das aber oft so ist, mit meiner reflexhaften Abwehr – irgendwie war ich dann doch neugierig. Vor allem weil jene Freundin so begeistert war. Und weil die japanische Autorin namens Marie Kondo ein echter Aufräum-Junkie ist. Sie behauptet doch glatt, sie hätte bereits im zarten Alter von fünf Jahren Wohn- und Einrichtungsmagazine studiert und mit 15 ihre große Leidenschaft fürs Aufräumen entdeckt.

Freakig? Aber ja. Und ich steh drauf.

Ich hab also meinen Schreibtisch aufgeräumt. Wobei aufgeräumt eigentlich das falsche Wort ist. Es war eher eine Art „Großreinemachen“ mit System. Ich habe alten Ballast abgeworfen und neuen Raum erobert, hab mir einen Überblick verschafft und bis ins kleinste Detail aussortiert. Das war krass!

Und jetzt sitze ich hier an meinem Schreibtisch und es fühlt sich definitiv anders an. Weiter. Luftiger. Platz für Neues.

Die wichtigsten Erkenntnisse, die ich während des Aufräumens hatte:

1. Ich habe doch ne Menge Zeug

Ich denke ja immer, dass ich von Grund auf eher Minimalist bin und gar nicht so viel Kram besitze. Da habe ich mich doch glatt getäuscht. Ich habe nämlich zuallererst meinen Schreibtisch komplett geleert und alle Schreibtisch-Dinge auf einem Fleck versammelt: Ordner, Stifte, Bücher, Büromaterialien, Kreativzeug, Papier, Notizhefte, Krimskram… Und das war dann doch ein ganz schöner Haufen. Meine Güte! Von manchen Dingen hatte ich nicht mal mehr gewusst, dass sie existent sind.

2. Ich brauche Weite zum Denken

Bevor ich mit dem Ausmisten angefangen habe, habe ich mir Zeit genommen, mich an den leeren Schreibtisch zu setzen und mir vorzustellen, wie ich daran schreiben und arbeiten will. Als erstes habe ich das kleine Ablageregal entfernt, weil ich festgestellt habe, dass das da nichts zu suchen hat. Ich brauche mehr Weite, mehr Platz zum Denken, mehr Raum für die Augen! Auch Stehordner habe ich vom Schreibtisch verbannt – ab damit ins Regal. Dort fühlen sie sich übrigens auch viel wohler.

3. Die Dinge, die mich umgeben, sprechen mit mir

Die KonMari-Methode sieht vor, dass man jedes einzelne Ding, ob Buch, Stift oder Notizheft, in die Hand nimmt und sich fragt: „Does this spark joy?“ – Bringt das Freude in mein Leben? Will ich das auf meinem zukünftigen Schreibtisch haben? Macht mich das glücklich? Lautet die Antwort ja, kommt der Gegenstand auf den „Soll bleiben“-Stapel, lautet die Antwort nein: Ab in den Müll. Eine ziemlich radikale Art auszusortieren – aber deshalb auch so befreiend. Für mich die schönste Einsicht: „Huch, diese Dinge sprechen ja mit mir!“ Denn zugegeben, ich gehe manchmal eher achtos mit Dingen um – sind ja nur Dinge, oder? Aber naja, eben nicht nur – sie definieren auch ein Stück weit, wer ich bin. Sehr sehr spannend zu sehen, welche Dinge am Ende bleiben durften!

4. Manche Dinge hatten ihre Zeit

Die KonMari-Methode zwingt einen dazu, ehrlich mit sich selbst zu sein. Ja, manche Dinge kann man zwar noch gebrauchen – aber benutzt man sie tatsächlich noch? Und will man sie wirklich bei sich haben? Gewohnheiten, Ideen und Hobbys ändern sich… oder die Zeit bestimmter Dinge ist einfach irgendwann abgelaufen. Mein alter, abgenutzter Schulfüller zum Beispiel, den ich nur noch aus Gewohnheit von Umzug zu Umzug mitgeschleppt habe, kam endlich in den Müll. Tschüss, lieber Füller, danke für die gute Zeit!

5. Jedes Ding brauche seine eigene Adresse

Ich habe tatsächlich vier Stunden lang konzentriert und ohne große Unterbrechung aussortiert. Puhhhh! Das Beste kam aber nach dem Ausmisten und Wegwerfen: Das Einsortieren der Dinge in den leeren Schreibtisch. Wohoouu, was für ein Fest! Die wichtigste Idee aus dem Buch: Jedes Ding muss einen eindeutig definierten Platz auf dem Schreibtisch oder in der Schublade haben, so dass man es nach dem Benutzen wieder dorthin zurück stellen kann. Bisher lagen Handy, Geldbeutel, Taschentücher und anderes Kleinzeug immer irgendwo auf meinem Schreibtisch herum. Jetzt haben sie alle eine richtige, eigene Adresse. Und wisst ihr was? Ich glaube, die finden das richtig gut.

Jetzt bin ich sehr gespannt, was der neue Schreibtisch bringt. 2017 kann kommen. Ach ja, es ist ja schon da.

Foto: cc flickr.com (Matteo Paciotti)

Wenn du meinen Beitrag kommentierst, werden deine Daten nur im Rahmen deines Kommentars gespeichert und nicht an Dritte weitergegeben. Es gilt meine Datenschutzerklärung.

Hinterlassen Sie einen Kommentar





+ 33 = 39