Es ist manchmal ganz schön mühsam, den festen Willen zu haben, zu schreiben. Denn da gibt es so viele Dinge, die diesen Willen zum Bröckeln bringen.

Da sind die vielen Ideen, die du in der Schublade hast, und noch nicht in die Welt gebracht hast. Da ist die Zeit, die an allen Ecken und Enden zu fehlen scheint, um in Ruhe zu schreiben. Da sind die Wettbewerbe, die du nicht gewonnen hast, das Buch, für das du immernoch keinen Verlag gefunden hast.

Lohnt sich da das Weitermachen?

Das ist die Frage, die ich mir auch immer wieder stelle. Alles scheint nur stockend voranzugehen und ich hasse dann meine Halbherzigkeit, meinen fehlenden Optimismus, meine Selbstzweifel… und bin dann genervt von mir selbst.

Allen Widrigkeiten zu trotz hat sich in den letzten Jahren etwas in mir formiert. Ein kleiner Funken Zuversicht. Eine Idee davon, dass es sich vielleicht doch lohnen könnte, dass alles – am Ende, ganz am Ende – irgendwie Sinn ergibt. Und dass der Weg, den ich mit dem Schreiben eingeschlagen habe, keine Sackgasse ist, sondern ein verschlungener Pfad voller Überraschungen am Wegesrand, immer wieder anders, immer wieder schön.

Folgende drei Haltungen, haben mir dabei geholfen, dieses Vertrauen zu finden:

1   Rechne dir dein Scheitern nicht zu

Es ist wirklich nicht mein Ding zu scheitern. Ich mag es nicht, wenn die Dinge nicht klappen, wie ich es gerne hätte. Wenn meine Ideen im Sand verlaufen, wenn sich nirgendwo eine Tür öffnet, durch die ich gehen kann.

Und doch, in meiner Arbeit als Autorin und Schreibcoach tue ich sehr oft Dinge, von denen ich keine Ahnung habe, wie sie ausgehen werden. Ich habe keine Ahnung, wenn ich einen Text beginne, ob ich ihn auch tatsächlich fertig bekomme, und wenn ja, wie er bei meinem Publikum ankommen wird.

Ich bin also mehr oder weniger dazu gezwungen, mir mein eigenes Scheitern nicht zuzurechnen. Zu verstehen, dass es menschlich, all zu menschlich ist, dass Erwartung und Realität auseinanderklaffen. Und dass es Hingabe braucht, sich immer wieder darauf einzulassen, was tatsächlich ist – auch auf Wut, Enttäuschung und Trauer. Genauso wie auf Freude und Glück, wenn sie denn dann kommen.

Aufgesogen habe ich diese Haltung bei Kristin Neff, die in ihrem Buch „Selbstmitgefühl“ ganz wunderbar wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig sehr persönlich schreibt, welche Wege dahin es gibt. Mein absoluter Lesetipp an dich!

2   Definiere, was Erfolg für dich ist

Wann bin ich eigentlich eine erfolgreiche Autorin? Dann, wenn ich einen Weltbestseller geschrieben habe? Dann, wenn das gesamte deutschsprachige Feuilleton meine Bücher bespricht? Dann, wenn ich monatelang auf der Bestsellerliste stehe?

All das sind sehr wackelige Definitionen für Erfolg, denke ich. Denn die Chancen stehen hoch, dass ich all das niemals erreichen werde. Ich will aber schreiben und dennoch das Gefühl haben, dass das, was ich tue, einen Sinn ergibt. Also habe ich mir eine eigene Defintion von Erfolg gesucht: Erfolg ist für mich, ich zu sein.

Das ist deshalb so wahr, weil das alles ist, was ich im Grunde genommen will. Ich will mit dem Schreiben ich sein. Ich will mich darüber ausdrücken, ich will darüber in Kontakt mit Menschen kommen. Und ich will meine Sprache feiern, ich will meine Art, die Welt zu sehen, entdecken und besser verstehen.

Auf diese Weise bin ich immer erfolgreich – unabhängig davon, was da draußen passiert. Ob das, was ich schreibe, Anklang findet oder nicht. Und wenn ich dann doch einen Preis gewinne, eine Buch veröffentliche oder einen Bestseller lande, ist das dann nur noch das Krönchen obendrauf.

Mehr über das Thema Erfolg schreibe ich in meinem Blog hier und hier – mein zweiter unbedingter Lesetipp an dich!

3   Mache einen Schritt nach dem anderen

Es gibt ja Autorinnen und Autoren, die das über Nacht werden, die mit ihrem ersten Manuskript gleich einen Verlagsvertrag bekommen, oder mit ihrem Debüt direkt einen Bestseller landen. Die Anzahl derer dürfte aber verschwindend gering sein, denn in Wirklichkeit ist der Weg meist ein längerer.

Das liegt auch daran, dass Autorinnen und Autoren nicht nur schreiben, sondern so etwas wie Unternehmerinnen und Unternehmer in eigener Sache werden. Sie sind darauf angewiesen, ihr eigenes kreatives Tun reflektieren zu können und sich Strukturen aufzubauen, in denen sie gut arbeiten können. Sie brauchen Unterstützer um sich herum, Netzwerke, die ihnen Zugänge verschaffen. Und meist müssen sie auch Werberinnen und Werber in eigener Sache werden – damit jemand zur Lesung kommt, damit die Presse berichtet, damit sich das Buch verkauft.

Und das sind Dinge, die man lernt. Die man sich aneignet, Schritt für Schritt – wobei das kein manifestes Wissen ist, dass man sich irgendwo genau so kaufen könnte, sondern eher eine Frage des Ausprobieren und Dranbleibens.

Ein Blog, der mir dabei geholfen hat, ist der von Autorin und Coach Sabrina Gundert. Sie beschreibt, was es bedeutet, auf dem eigenen „Herzensweg“ unterwegs zu sein, welche Hürden man nehmen muss und welche Tore man passiert. Mein dritter unbedingter Lesetipp an dich!

Nimmt man all das zusammen, kommt man auf ein Wort, das heutzutage nicht ganz so sexy wirkt – in einer Welt, in der immer alles auf einen Klick gehen soll:

Geduld.

Frei übersetzt mit: Warten-Können.

Ich wünsche dir das von Herzen, dieses Warten-Können. Denn ich bin sicher, ab einem gewissen Punkt deines Weges wird es sich anfühlen, als würdest nicht du deine Schritte auf den Weg setzen – sondern als würde der Weg dir entgegen kommen.

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4 Kommentare

  1. Veröffentlich von papiertänzerin am 22. April 2018 um 22:16

    Liebe Franziska,
    danke, dein Beitrag kommt zur rechten Zeit. Vor allem deine Erfolgsdefinition läßt mein Herz hüpfen. Eigentlich ganz einfach. Wenn da nicht all die anderen Stimmen wären. Die Zweifel, die Angst, die Unsicherheit. Habe gerade nochmal den Film „Drachen zähmen leicht gemacht“ geguckt. Und was soll ich sagen: mit Liebe wird selbst der wildeste Drache zum Freund. 🙂 Zum Thema Selbstmitgefühl empfehle ich auch das Buch „Der achtsame Weg zum Selbstmitgefühl“ von Christopher Germer. Ahoi & herzlich in den Sonntagabend, Ina (im Atelierumzugstrubel).

    • Veröffentlich von Franziska Schramm am 23. April 2018 um 16:08

      Liebe Ina,
      was ist das denn für ein süßer Film? Hab mir gerade den Trailer angesehen… kannte ich bis jetzt noch nicht. Danke für den Tipp! Von Christopher Germer habe ich bis jetzt noch nichts gelesen, obwohl er ja der Forschungspartner von Kristin Neff ist. Danke auch dafür!
      Alles Liebe für den Ateliersumzug (yeah!) und viel Freude mit Zweifel, Angst, Unsicherheit und den anderen Genossen 😉
      Franziska

  2. Veröffentlich von Christine Zureich am 26. April 2018 um 09:36

    Ah, Fränzi, als hättest du’s für mich geschrieben….

    • Veröffentlich von Franziska Schramm am 27. April 2018 um 16:12

      Ich hab’s selbstverständlich nur für dich geschrieben. Genauso, wie ich’s nur für mich geschrieben habe… 😉

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