Wie mich das Meditieren doch noch gekriegt hat

„Meditieren? Gar nichts für mich.“ Das war meine Überzeugung vor etwa zehn Jahren. Vor allem deshalb, weil ich dieses recht einseitige Bild davon hatte, was wohl Meditieren ist: Buddhistische Mönche sitzend über Stunden starr herum, konzentrieren sich auf… irgendwas heiliges…? Und streben nach Erleuchtung. Ich konnte so gar nicht erkennen, was das wohl mit meinem Leben zu tun haben könnte.

Dass ich mit dem Meditieren angefangen habe, war dann eigentlich eher so ein: „Na gut, ich weiß nicht so recht, aber dann probiere ich das mal aus.“ Eine Freundin hatte mich in ihre Meditationsgruppe eingeladen und meinte, das sei ne gute Sache, gerade, wenn es einem nicht so gut geht. Und in dieser Zeit ging es mir gar nicht gut. Selbstzweifel, Angst, Schlafstörungen, endlose Gedankenschleifen… den ganzen Schmodder, durch den man watet, wenn das Leben einen beschenken will, aber gerade eben nur Schmodder zu Verfügung hat.

Ich war also in der Meditationsgruppe, eine kleine Runde, auf dem Boden sitzend… und überrascht. Als erstes tranken wir Tee, und zwar so, wie ich es eigentlich noch nie getan hatte, Schluck für Schluck, mit der Aufmerksamkeit auf dem sinnlichen Erleben: Wie riecht der Tee? Welche Farbe hat er? Wie schmeckt er? Das war neu für mich. Kein Trinken, um den Durst zu löschen, sondern ein Trinken, um zu genießen, kurz: Teemeditation.

Okay, das war anders als gedacht.

Dann kam die Gehmeditation. Wir bewegten uns langsam durch den Raum, Schritt für Schritt, wieder mit der Aufmerksamkeit auf allen Sinnen: Wie fühlt sich mein Atem an? Wie der Untergrund unter meinen Füßen? Wir waren konzentriert, das ja, aber kein bisschen starr. Und wir hatten schon irgendwie ein Ziel, aber Erleuchtung war es nicht… eher so etwas wie: Zur Ruhe kommen. Genießen. Entspannen.

Und so war dieser ganze Abend: Alles wurde bewusst getan und gesagt. Aber statt Dogmen gab es sehr viel Menschlichkeit – und Gelächter.

Heute ist diese Form des Meditierens nicht mehr wegzudenken aus meinem Alltag. Und die Menschen von Dasein Konstanz sind mein Tribe geworden.

Am Wochenende war ich mit ein paar Leuten aus diesem Tribe wandern. Einen Teil des Weges sind wir gemeinsam schweigend gelaufen – einfach so. Der wunderschöne Septembertag wollte einfach mit allen Sinnen erfasst werden. Denn ja, wenn man ins Gespräch vertieft ist, verpasst man die Farben der Bäume und den Flug der Rotmilans und die leuchtenden Grashalme am Wegesrand. Und auch das, was gefühlsmäßig innen drin passiert.

Wie hat das Meditieren mich also doch noch gekriegt? Keine Ahnung. Es kam langsam, auf leisen Sohlen. Ich bin immer mal wieder hin zu den Abenden. Und ja, es war gemütlich und friedvoll… aber schon auch sehr ungewohnt. In derselben Zeit machte ich dann einen MBSR-Kurs und verstand: Durch Meditieren kann man das Nervensystem regulieren. Es geht einem wirklich besser dadurch – vor allem, wenn man sich dabei nicht drillt, sondern einfach nur DA ist, anwesend im eigenen Leben.

Gekriegt hat mich auch das Thema Selbstmitgefühl: Wer anerkennt, welche Schwierigkeiten er gerade durchmacht und dabei liebevoll und freundlich mit sich umgeht, so wie es ein guter Freund tun würde, der kommt besser durch die Schwierigkeiten. Besser als jemand, der im Widerstand ist zu dem, was ist. Und Achtsamkeit ist die Grundlage für die Praxis des Selbstmitgefühls.

Was wäre mein Leben ohne Selbstmitgefühl? Ich glaube, ich wäre so lost wie mit Ende Zwanzig. Mittlerweile ist der ganze Schmodder, durch den ich gewatet bin, zu Humus geworden. Fruchtbare Erde, auf der unzählige bunte Blumen blühen… Blumen der Erfahrung, Blumen der Selbstakzeptanz und Blumen der heiteren Gelassenheit – egal, was kommt.

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