Tu’s! Mach’s! Zeig dich!

Tu's! Mach's! Zeig dich!

Eines der lustigsten Wunder, mit denen mich das Leben beschenkt, ist das Seminar „Kreatives Schreiben“, das ich jeweils zu Semesterbeginn im Rahmen der Kreativwoche für Studenten der Sozialen Arbeit in Weingarten halte. Und das wahrscheinlich allerlustigste Wunder ist jener Student, der dieses Seminar nun schon zum dritten Mal besucht hat – nicht, weil er die Punkte bräuchte, sondern weil er dieses Seminar einfach gut findet (was ihm erst mal große Blicke seiner Kommilitonen beschert hat).

Jener Student hat ein großes Herz für Musik, liebt Reim und Rhythmus, und schüttelt mit Leichtigkeit Verse und Textzeilen aus seinem Handgelenk. Gleichzeitig hält er das, was er da an Schätzen in sich trägt, unter Verschluss. Er hasst es vor großer Runde vorzulesen und bleibt am liebsten still im Hintergrund – während ich ihm immer zurufen möchte: „Mann!!! Zeig mal, was du da hast! Zeig das her!!!“

Ich glaube, dieser Student erinnert mich an mich. (mehr …)

Etwas in mir hat keine Angst

etwas in mir hat keine angst

Wenn ich neue Projekte angehe, dann kann ich damit rechnen, dass früher oder später meine Angst auf dem Plan steht. Die Angst, die in mir randaliert und ruft: „Bist du bekloppt?!? Mach das auf GAR KEINEN FALL! Das wird schief gehen. Du wirst dich blamieren. Lass das!“

Das ist der Grund, weshalb ich mich in meinem Leben schon sehr viel mit meinen Ängsten beschäftigt habe. Meinen Ängsten rund ums Schreiben. Meinen Ängsten rund ums Sichtbarwerden mit meiner Kunst. Und ich kenne sie alle. (mehr …)

Wie das Schreiben mich rettet

Wie das Schreiben mich rettet

Ich habe einen kleinen, aber feinen Literaturpreis gewonnen, den Förderpreis des Signaturen Wettbewerbs, der hier am Bodensee beheimatet ist. Am Dienstag, den 16. Oktober ist die Preisverleihung in Tettnang, und ich freue mich schon dabei zu sein, denn ja, ich nehme diesen Preis sehr gerne entgegeben!

Meine Freude geht aber noch viel tiefer. Denn abgesehen davon, dass ich Sekt schlürfend und Häppchen essend auf einer Preisverleihung rumstehe und Hände schüttle, abgesehen davon bedeutet der Preis noch etwas anderes für mich. Denn die Kurzgeschichte, die ich eingereicht habe, ist an einem der Tiefpunkte meines Lebens entstanden.

Der Text trägt den Titel „A wie Arbeitslosigkeit“ und ist vor einigen Jahren entstanden, als ich (wie der Titel es schon so schön ankündigt) arbeits- und perspektivlos dasaß, mir Sorgen um meine Zukunft machte und nicht wusste, wie es weitergehen soll. Ich fragte mich, warum die Erfahrung, die ich da machte, mich so sehr schmerzte und rang mit all dem, was sich in mir drin abspielte. (mehr …)

Warum ich keine „Schreibroutine“ habe

schreibroutine

Ich weiß nicht, ob du das kennst, aber es gibt da ja diese Vorstellung von der „Schreibroutine“, die man als Autorin und Autor zwingend notwendig braucht: Einen festen Rhythmus, tägliches Schreiben jeden Tag, ein Wortlimit, dass man bewältigen muss, einen Seitenzahl, die in jedem Fall geschrieben werden muss, ein Zeitfenster, das fest eingeplant ist und nur dem Schreiben gehört.

Ich scheiß‘ drauf.

Wirklich, – und bitte verzeih dieses Ausdruck – ich scheiß‘ drauf! Es ist mir egal. Ich habe keine solche „Schreibroutine“. Und werde hoffentlich auch nie eine haben. Schon wenn ich das Wort höre, rollen sich mir die Zehennägel auf. (mehr …)

Warum sich Schreiben immer lohnt

warum sich schreiben immer lohnt

Ich frage mich gerade, ob sich das Schreiben für mich lohnt. Das ist eine Frage, die immer wieder in meinem Kopf aufpoppt. Werde ich es  damit mal zu etwas bringen? Lohnt es sich, dranzubleiben? Kommt dabei was rum? Und wenn es vielleicht nicht der ganz große Reichtum ist, dann doch vielleicht zumindest so etwas wie Ruhm, Anerkennung und begeisterte Fans?

Diese Frage führt mich meistens in ödes, wüstes Land. Denn dort, wo diese Frage lebt, lebt auch die Hoffnungslosigkeit. „Lass es“, flüstern die Stimmen in dieser Wüste, „du wirst nie eine echte Autorin sein.“ „Du bist so naiv, das Schreiben führt dich nirgendwohin“, flüstern sie. „Du könntest es eigentlich auch bleiben lassen, es macht keinen Unterschied.“

Wann immer ich diese Wüste betrete, merke ich, wie schwerwiegend diese Stimmen sind. Sie machen mich klein. Sie verbreiten Null Komma Null Hoffnung. Und sie verändern sich auch nicht. Diese Stimmen sind immer gleich vernichtend. Und eine echte Antwort auf meine Frage „Lohnt sich das Schreiben für mich“ bekomme ich dort nicht. (mehr …)